Ostwind gegen Westwind

Uwe Hoering http://www.beltandroad.blog Oktober 2019.

Im Herbst 2013, wenige Monate nach seiner Amtsübernahme als Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas und als Staatspräsident, skizzierte Xi Jinping in zwei Reden in Kasachstan und Indonesien die Landkarte der Neuen Seidenstraßen – zu Land und zu Wasser. In beiden Fällen bezog er sich auf die einstige hegemoniale Rolle des »Reichs der Mitte«, das in früheren Jahrhunderten durch Infrastruktur und Handel, durch Sicherheit und kulturellen Austausch entlang der Seidenstraßen Wohlstand, Frieden und Völkerverständigung gebracht habe. Erst im März 2015 kondensierten sich diese Vorstellungen im offiziellen Dokument »Visionen und Aktionen zum gemeinsamen Aufbau des Wirtschaftsgürtels entlang der Seidenstraße und der maritimen Seidenstraße des 21. Jahrhunderts«, anfangs holprig als »One Belt, One Road« bezeichnet, inzwischen als »Belt and Road Initiative « eine zentrale Säule der chinesischen Wirtschafts- und Außenpolitik.

Die Ankündigungen, die Welt infrastrukturell aufzurollen, ließ die China-Watcher, vor allem in den westlichen kapitalistischen Ländern, zu neuer Hochform bei der Interpretation der Absichten Pekings auflaufen: Hoffnungen auf einen neuen Globalisierungsschub, wenn auch mit chinesischen Merkmalen, mischten sich mit Warnungen vor negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen, vor Abhängigkeit, gar vor Neokolonialismus und vor einer Verschärfung geopolitischer Hegemonialkonflikte mit dem Potenzial militärischer Konfrontation, etwa um die Vorherrschaft in Ostasien. Die potentiellen Nutznießer auf den Land- und Seewegen, vorwiegend Länder des Globalen Südens, reagierten dagegen zumindest anfangs überwiegend positiv angesichts des erwarteten Geldsegens in Infrastruktur und industrieller Entwicklung. Doch auch hier wurden die wirtschaftlichen Erwartungen vielfach von politischen Ängsten begleitet, beispielsweise in Südasien, wo die Konfrontation zwischen Indien und Pakistan durch Belt&Road eine neue Dimension erhält, oder in Südostasien, der Region mit der intensivsten Erfahrung chinesischer Interventionen in Wirtschaft und Politik.

In Europa schwankten die Einschätzungen lange unentschlossen zwischen wirtschaftlichen Chancen einer engeren eurasischen Verflechtung und Risiken chinesischer Expansion – mit einer deutlich ausgeprägten Ost-West- beziehungsweise Nord-Süd-Spaltung.

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